Ein Elektroauto kann nur dann Strom in ein Hausnetz einspeisen, wenn Fahrzeug, Ladeanschluss, Wallbox beziehungsweise Wechselrichter und Energiemanagement dieselbe bidirektionale Technik unterstützen. Zu den wichtigsten Fahrzeuggruppen mit entsprechender Grundlage zählen Nissan Leaf und Mitsubishi-Plug-in-Hybride über CHAdeMO sowie ausgewählte Modelle des Volkswagen-Konzerns mit großer Batterie. Hyundai Ioniq 5 und Ioniq 6, Kia EV6 und EV9 sowie weitere Fahrzeuge mit V2L können dagegen zunächst vor allem einzelne Verbraucher versorgen – das ist nicht automatisch eine Einspeisung in die Hausinstallation.
Vor einem Fahrzeugkauf muss deshalb die geplante Funktion eindeutig feststehen: Soll nur ein Gerät mit Strom versorgt werden, soll das Auto bei Netzausfall ausgewählte Stromkreise übernehmen oder soll es regelmäßig Solarstrom speichern und später ins Haus zurückgeben? Gerade zwischen diesen Anwendungen liegen technisch und praktisch große Unterschiede.
V2L, V2H und V2G sind nicht dieselbe Funktion
Der Sammelbegriff bidirektionales Laden beschreibt mehrere Betriebsarten. Für die Auswahl eines Autos ist entscheidend, welche davon tatsächlich freigeschaltet und mit verfügbarer Haustechnik nutzbar ist.
- Vehicle-to-Load (V2L) versorgt einzelne elektrische Geräte. Das Fahrzeug stellt dafür meist eine Steckdose im Innenraum oder einen Adapter am Ladeanschluss bereit. Eine Verbindung mit der festen Hausinstallation ist damit nicht vorgesehen.
- Vehicle-to-Home (V2H) gibt Energie kontrolliert an das Haus ab. Dazu werden eine passende bidirektionale Ladestation, ein Energiemanagement und je nach Anlage zusätzliche Schalt- und Schutzeinrichtungen benötigt.
- Vehicle-to-Grid (V2G) ermöglicht zusätzlich den Energieaustausch mit dem öffentlichen Stromnetz. Hier spielen Netzbetreiber, Messkonzept, Stromtarif, technische Anschlussbedingungen und regulatorische Vorgaben eine Rolle.
- Vehicle-to-Vehicle (V2V) bezeichnet die Energieabgabe an ein anderes Fahrzeug. Diese Fähigkeit sagt ebenfalls nicht automatisch aus, dass V2H möglich ist.
Ein V2L-fähiges Auto kann beispielsweise Kühlschrank, Werkzeug oder Campingausrüstung betreiben. Es darf aber nicht über ein improvisiertes Kabel an eine Haussteckdose angeschlossen werden. Eine solche Rückspeisung umgeht notwendige Schutzmechanismen und kann Menschen, Gebäude und Netztechnik gefährden.
Diese Fahrzeuggruppen kommen für die Rückspeisung infrage
Die folgende Auswahl nennt belastbare Modellfamilien mit bidirektionaler Technik oder entsprechender Systemgrundlage. Ob ein bestimmtes Fahrzeug wirklich als Hausspeicher funktioniert, hängt dennoch von Markt, Baujahr, Softwarestand, Ladegerät und freigegebener Gegenstelle ab.
Nissan Leaf
Der Nissan Leaf gehört zu den bekanntesten Elektroautos für V2H- und V2G-Anwendungen. Sein CHAdeMO-Anschluss unterstützt prinzipiell einen bidirektionalen Gleichstromfluss. In Verbindung mit einer kompatiblen und für den jeweiligen Einsatz zugelassenen DC-Ladestation kann der Leaf Energie aus seiner Antriebsbatterie abgeben.
Die entscheidende Einschränkung liegt beim Gesamtsystem: Eine gewöhnliche CHAdeMO-Ladestation reicht nicht aus. Erforderlich ist eine bidirektionale Einheit, die Gleichstrom aus dem Fahrzeug in netzverträglichen Wechselstrom umwandelt und mit der Hausanlage kommuniziert. Vor dem Kauf müssen außerdem Modelljahr, Batteriegeneration und die Freigabe des V2H-Anbieters geprüft werden.
Mitsubishi Outlander PHEV und Eclipse Cross PHEV
Bestimmte Ausführungen des Mitsubishi Outlander PHEV und des Eclipse Cross PHEV besitzen ebenfalls einen CHAdeMO-Anschluss und eignen sich technisch für bidirektionale Anwendungen. Als Plug-in-Hybride haben sie allerdings eine kleinere Antriebsbatterie als viele reine Elektroautos. Dadurch steht weniger elektrische Energie als Hausspeicher zur Verfügung.
Der Verbrennungsmotor macht sie nicht automatisch zu einem zulässigen Hausgenerator. Ob und unter welchen Bedingungen das Fahrzeug Energie abgeben darf, wird durch das jeweilige V2H-System und die Fahrzeugsteuerung bestimmt. Auch hier ist die Kompatibilitätsliste der bidirektionalen Ladestation maßgeblich.
Ausgewählte Volkswagen-ID.-Modelle und verwandte Konzernfahrzeuge
Bei ausgewählten Fahrzeugen auf dem modularen Elektro-Baukasten des Volkswagen-Konzerns wurde bidirektionales Laden für bestimmte Konfigurationen vorgesehen beziehungsweise freigeschaltet. Im Mittelpunkt stehen Modelle mit einer nutzbaren Batteriekapazität von etwa 77 kWh und einem passenden Softwarestand. Dazu können entsprechend ausgestattete Varianten aus der ID.-Familie sowie technisch verwandte Konzernmodelle gehören.
Diese Aussage darf nicht auf jedes Fahrzeug mit CCS-Anschluss übertragen werden. Kleinere Batterien, ältere Softwarestände oder andere Modellvarianten können ausgeschlossen sein. Zudem wird für die Hausversorgung eine ausdrücklich kompatible DC-Heimladelösung benötigt. Wer ein solches Fahrzeug als Hausspeicher einplant, sollte sich die Eignung anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer, des Softwarestands und der Freigabeliste des V2H-Systems bestätigen lassen.
Ford F-150 Lightning
Der Ford F-150 Lightning kann in Nordamerika zusammen mit einer dafür ausgelegten Hausstromanlage eine Notstromversorgung bereitstellen. Das System ist auf die dortigen Fahrzeug-, Netz- und Installationsbedingungen zugeschnitten. Es ist deshalb ein wichtiges Beispiel für seriennahes V2H, aber keine ohne Weiteres übertragbare Lösung für ein deutsches Hausnetz.
Importfahrzeug, Ladeanschluss, Netzspannung, Zulassung und verfügbare Installationstechnik müssen zusammenpassen. Für Käufer in Deutschland ist der F-150 Lightning daher eher ein Sonderfall als eine naheliegende V2H-Lösung.
Welche bekannten Elektroautos hauptsächlich V2L bieten
Mehrere moderne Elektroautos können beachtliche Leistungen an externe Geräte abgeben, ohne deshalb eine reguläre Hausrückspeisung zu beherrschen. Typische Beispiele sind Hyundai Ioniq 5 und Ioniq 6 sowie Kia EV6 und EV9. Je nach Ausstattung erfolgt die Stromabgabe über eine Steckdose im Fahrzeug oder einen V2L-Adapter am Ladeanschluss.
Damit lassen sich etwa Beleuchtung, Kühlgeräte, Elektrowerkzeuge oder andere Verbraucher innerhalb der zulässigen Leistungsgrenze betreiben. Für eine fest angeschlossene Ersatzstromversorgung des Gebäudes fehlen bei einer reinen V2L-Anwendung jedoch die koordinierte Netztrennung, das häusliche Energiemanagement und die vorgesehene elektrische Einbindung.
Auch weitere Modelle verschiedener Hersteller besitzen V2L-Steckdosen oder Adapterlösungen. Die Angabe V2L in der Ausstattungsliste beantwortet daher nur die Frage nach mobilen Verbrauchern. Für das Laden mit Solarstrom und die spätere Versorgung des Hauses muss ausdrücklich V2H genannt und als vollständiges System verfügbar sein.
Vier Prüfungen entscheiden über die tatsächliche Nutzbarkeit
- Fahrzeugvariante bestimmen: Modellname allein genügt nicht. Benötigt werden Modelljahr, Batteriekapazität, Ladeanschluss, Softwarestand und gegebenenfalls eine bestimmte Sonderausstattung.
- Freigabe der Ladetechnik abgleichen: Das gewünschte Fahrzeug muss auf der Kompatibilitätsliste der bidirektionalen Wallbox oder DC-Ladestation stehen. Eine allgemeine Aussage wie CCS-fähig oder CHAdeMO-fähig belegt noch keine V2H-Funktion.
- Hausinstallation prüfen lassen: Eine Elektrofachkraft muss unter anderem Netzform, Zählerschrank, Schutzkonzept, Photovoltaikanlage, vorhandenen Wechselrichter und die vorgesehene Ersatzstromfunktion bewerten.
- Betriebsbedingungen klären: Zu prüfen sind Herstellergarantie, zulässige Ladezyklen, Mindestladestand, maximale Entladeleistung sowie die Regeln von Netzbetreiber und Messstellenbetreiber.
Wenn nur V2L bestätigt ist, darf das Auto einzelne angeschlossene Geräte versorgen. Wenn Fahrzeug und bidirektionale Ladestation gegenseitig freigegeben sind, aber die Hausprüfung fehlt, sollte noch keine Installation beauftragt werden. Erst wenn alle vier Punkte zusammenpassen, ist eine belastbare V2H-Planung möglich.
Warum eine normale Wallbox keinen Strom zurückleitet
Eine übliche AC-Wallbox transportiert Wechselstrom aus dem Haus zum Ladegerät im Auto. Dieses wandelt ihn in Gleichstrom für die Batterie um. Für den Rückweg müsste das Fahrzeugladegerät ebenfalls in Gegenrichtung arbeiten und netzkonformen Wechselstrom bereitstellen. Das beherrschen normale Onboard-Lader nicht automatisch.
Bei vielen V2H-Lösungen verlässt Gleichstrom die Fahrzeugbatterie über den Ladeanschluss. Eine externe bidirektionale DC-Ladestation übernimmt dann die Umwandlung und stimmt den Energiefluss mit Haus, Photovoltaikanlage und Netzanschluss ab. Andere Systemkonzepte setzen auf bidirektionales AC-Laden. Beide Wege verlangen ausdrücklich dafür entwickelte Fahrzeug- und Haustechnik.
CCS als Steckerstandard allein ist somit kein Beweis für die Rückspeisefähigkeit. Dasselbe gilt für eine große Batterie, eine leistungsfähige Schnellladefunktion oder eine Steckdose im Fahrzeug.
Notstromversorgung und Solaroptimierung verlangen unterschiedliche Technik
Ein V2H-System kann für den Eigenverbrauch von Solarstrom ausgelegt sein, ohne bei einem Stromausfall weiterzuarbeiten. Für echten Ersatzstrom muss sich die Hausanlage sicher vom öffentlichen Netz trennen. Nur so wird verhindert, dass Energie in eine abgeschaltete Leitung gelangt und dort Einsatzkräfte gefährdet.
Wer lediglich den Solarstrom vom Nachmittag am Abend nutzen möchte, braucht vor allem ein abgestimmtes Energiemanagement. Wer dagegen bei Netzausfall Kühlschrank, Heizungspumpe oder weitere Stromkreise versorgen will, muss zusätzlich klären, ob das System Inselbetrieb unterstützt, welche Phasen versorgt werden und welche elektrische Leistung verfügbar bleibt.
Die Kapazität der Fahrzeugbatterie ist dabei nur ein Teil der Rechnung. Als vereinfachtes Beispiel: Beträgt der nutzbare Energieanteil 40 kWh und benötigt das Haus im Mittel 0,5 kW, ergibt sich theoretisch eine Laufzeit von 40 kWh ÷ 0,5 kW = 80 Stunden. Umwandlungsverluste, wechselnde Lasten und der reservierte Mindestladestand verkürzen diese Zeit. Ein Verbraucher mit hoher Leistung kann außerdem die zulässige Ausgangsleistung überschreiten, obwohl rechnerisch noch genügend Energie gespeichert ist.
Die passende Auswahl richtet sich nach dem Einsatzziel
Für eine bereits verfügbare CHAdeMO-basierte V2H-Lösung sind Nissan Leaf und passende Mitsubishi-Plug-in-Hybride die naheliegenden Prüfkandidaten. Ihre Grenze liegt in der benötigten speziellen DC-Technik und beim Mitsubishi zusätzlich in der vergleichsweise kleinen Batterie.
Wer ein Fahrzeug aus dem Volkswagen-Konzern einsetzen möchte, sollte nicht nach dem Markennamen entscheiden, sondern ausschließlich nach bestätigter Variante, Batteriekapazität, Softwarestand und kompatibler Heimladelösung. Bei Hyundai Ioniq 5 oder Ioniq 6 sowie Kia EV6 oder EV9 ist V2L besonders praktisch für mobile Geräte; eine Gebäudeeinspeisung darf daraus jedoch nicht abgeleitet werden.
Die sicherste Kaufentscheidung beginnt daher nicht beim Werbebegriff bidirektional. Sie beginnt mit der schriftlich bestätigten Kombination aus Fahrzeug, Software, Ladestation und Hausanschluss. Fehlt auch nur eine dieser Freigaben, ist das Auto noch kein nutzbarer Stromspeicher für das Gebäude.